Freuden des Frühbarock

Ensemble Marescotti musizierte im Orgelsommer

(von Michael Beughold)

Bielefeld. Nach dem „Orgelsommer“-Auftakt gönnte Kantorin Ruth M. Seiler der hinfälligen Kleuker-Orgel erst einmal eine Verschnaufpause. Zum zweiten Konzerttermin war das Ensemble Marescotti ihres Lemgoer Marien-Kollegen Volker Jänig (am Cembalo) mit frühbarocken Werken für Sopran und Blockflöten zu Gast in der Neustädter Marienkirche.

Mit animierter Spielfreude und stilistischer Kenntnis ohne verkniffenes Spezialistentum ließ das vierköpfige Kleeblatt den neuen monodisch-konzertanten Musiziergeist der 1. Hälfte des italienischen Seicento in einem abwechslungsreichen Konzertstunden-Gebinde unter dem Hohelied-Motto „O quam pulchra es“ lebendig werden. Einschlägige Vertonungen dieser verboten sinnlichen biblischen Liebesdichtung vom Mailänder Paolo Giovanni Cima und von Großmeister Claudio Monteverdi hatten in Uta Singer eine glänzende Vokalistin, ja was die in makelloser Reinheit und Tonklarheit angesetzte und wo gefordert auch koloraturgewandt und zierfertig agierende Sopranstimme betrifft, wohl perfekte Verkörperung der so blumig besungenen Schönheit.

Bei Cima echote hier eine Blockflöte dolce alles Gesungene, da grundierte profund ein quasi Flöten-Basso. Pure, ausdrucksvolle Monodie über Cembalo-Begleitung bot der Beitrag Monteverdis, wohingegen dessen großangelegte Psalmmusik „Confitebor tibi Domine“ auch vom Affektschwung instrumentaler Ritornelle geprägt war.

Den Höhepunkt ausdrucksmusikalischer Vielfalt aber bildeten zwei von Heinrich Schütz Symphoniae sacrae II, wenn die darin auf Deutsch fortgeschriebenen Errungenschaften seiner Venedig-Studienreise in der tönenden Bildhaftigkeit von „Herr unser Herrscher“ und „Lobet den Herren in seinem Heiligtum“ von der Sopranistin wunderbar beredt gemacht und zu jeweils hochgestimmtem Beschluss geführt wurde.

Natürlich stellten die Musiker ihr barockes Know-how auch solistisch unter Beweis. So gab sich Continuo-Cambalist Volker Jänig in einer Toccata von Michalangelo Rossi Raum zu zwingend wechselvollem Aufriss. Die artikulatorische Finesse von Katrin Krauß hatte in einer unbegleiteten Ricercata von Aurelio Virgiliano als eigentlich frühestem Solo für Querflöte (1571) etwas Avantgardistisches, während sich Hartmut Ledeboer in einem hochvirtuosen Stück aus dem Auszierungs-Lehrbuch, „Vestiva i colli“ von Francesco Rognoni, hervortat.

Ein Ensemblenamen gebender „Marescotti“-Satz wollte in Bartolomeo Montalbanos verquer hochfliegendem Paarlauf von 1629, womöglich raumakustisch, leicht verschwimmen. Aber Tarquinio Merulas viel gespielte Ciaconna verfehlte ihre unwiderstehlich in Ohren und Beine gehende Wirkung nicht. Der Dank der Hörer für soviel frühbarocke Kompetenz und Kurzweil entlud sich in kräftigem Schlussbeifall.


Neue Westfälische, 01. Juli 2013

Wie ein viertes Manual

Borgentreicher Barockorgel gibt ihr Debüt als Ensemble-Instrument

So klang Musik in der Barockzeit. Eine exzellente, authentische Zeitreise in die Musik des 17. und 18. Iahrhunderts hat am Samstag das Lemgoer Ensemble Marescotti in Borgentreich unternommen.

[ … ] ,,Diese Barockorgel ist wirklich ein ganz fantastisches Instrument mit einer unglaublichen klanglichen Farbigkeit",zeigte sich Jänig von der alten Borgentreicher Dame hellauf begeistert. Seit zweieinhalb Jahren ist Jänig als lippischer Landeskantor Herr der ebenfalls in Orgelkreisen sehr bekannten Lemgoer Schwalbennestorgel. Dort kam ihm die Idee, mit einem Ensemble speziell auf das Zusammenspiel mit historischen Kirchenorgeln abgestimmte Programme zu präsentieren. [ … ]

Das Konzertprogramm war konzipiert wie ein üppiger Vorspeisenteller mit Werkauszügen und Miniaturen aus der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock. Besonders reizvoll waren dabei Gegenüberstellungen von verschiedenen Vertonungen ein und derselben Textvorlage wie dem Gedicht,,Herzlich tut mich erfreuen", das das Ensemble in den Kompositionen von JohannWalter, Leonhard Lechner und Michael Peaetorius präsentierte. [ … ]

 

Presse Hildesheim, August 2011

Ransant, packend und sensibel

Ensemble Marescotti in der St. Michaelis-Kirche

[…] „Die hervorragend aufeinander eingestimmten Instrumentalisten geben Tarquinio Merulas Ciaccona Schwung und leuchtende Farben. Dieses Werk mit seinen virtuosen Steigerungen nehmen die Musiker mit klangschöner Leichtigkeit. Es ist immer wieder diese Unbeschwertheit, die im Spiel liegt und selbst die komplizierten, geradezu akrobatischen Verzierungen und die technischen und musikalischen Finessen leicht erscheinen lässt.

Eine grandiose Fahrt durch die Welt der Töne liefert die Flötistin Katrin Krauß, als die Aurelio Virgilianos Recercata vorträgt. […]

Krauß beeindruckt durch ihre wahrhaft rasante, packende, sensible Interpretation dieser virtuosen, klangprächtigen Komposition und begeistert das Publikum, […]

O quam pulchra es“, („O wie schön du bist“), so der Programmtitel, der für sich spricht. [...]“

 

Lippische Landeszeitung, 22. August 2011

Ensemble Marescotti spielt in St. Marien

Achterbahnfahrt in den Barock

Es war eine musikalische Achterbahnfahrt zurück in den Barock und die Renaissance. Blockflötistin Katrin Krauß gebrauchte dieses Bild für ihr Solostück „Recercata“ von Aurelio Virgiliano, das tatsächlich ein rasantes und fröhliches Auf und Ab beschreibt.

Doch der Begriff der Achterbahnfahrt kann mühelos für den ganzen Abend gelten, mit dem das Ensemble Marescotti tourt, und den es nun auch in St. Marien zeigte. […]

Passend zum wiederkehrenden Sommer hatten die vier Musiker ganz viel freudige Musik des Barock und der Renaissance im Gepäck. […]

Ein Höhepunkt des Abends war jedoch die fast meditative Stille, die sich bei der Blockflöten-Version von „O quam pulchra“ als „Canon in unisono“ entfaltete. […]

Ob solistisch, als Duo oder als komplettes Quartett, das Ensemble Marescotti zeigte die emotionale und stilistische Bandbreite der Alten Musik. […]“

 

Lippische Landeszeitung, 16. Juni 2011

Auf der Suche nach einer neuen Spiritualität

Mystische Wirklichkeit“ spiegelt sich in Gesang und Instrumentalspiel

Die „Klänge aus Licht“ haben in der bestens besuchten Kirche St. Marien in Lemgo großen Anklang gefunden. Musikalisch interessant und überzeugend präsentiert […]

[…] intonationssicher und damit höchst ansprechend ausgeführt von der von Kantor Volker Jänig geleiteten Choralschola St. Nicolai Mölln. Dazu gesellten sich Obertongesang und Obertonflötenspiel. So wurde „mystische Wirklichkeit verstärkt. [...]“

 

 

 

Nächster Konzerttermin